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Die Mischung macht´s – FÖJ auf einer Jugendfarm

Felicia Wurster mit Hahn auf dem Arm

„Wer hat Lust eine Vogelscheuche zu machen?“, fragt Felicia Wurster in die Kinderrunde. „Ich mach´ mit“, schreit ein kleines Mädchen und läuft voraus in die Werkstatt der Jugendfarm Bad Cannstatt. Schon finden sich vier engagierte freiwillige Helfer zusammen für das Vorhaben „Vogelscheuche“. „Feli, eine Vogelscheuche ist doch dazu da, Vögel von den Feldern und Bäumen fern zu halten“, stellt ein blondes Kind fest und fragt „Können wir dann nicht auch eine Schneckenscheuche bauen, dass die unsere Beete in Ruhe lassen?!“ Dazu kann die FÖJlerin des Stadtteilbauernhofs einfach nur ein Grinsen erwidern.

Schafe blöken, Pferde wiehern und Kinder lachen – das ist die besondere Mischung des Freiwilligen Ökologischen Jahrs (FÖJ) von Felicia, die von den Kindern und Mitarbeitern des Stadtteilbauernhofs liebevoll „Feli“ genannt wird. Zum einen die Landwirtschaft – Gras mähen, Tiere füttern – und zum anderen das Soziale. Jeden Tag kommen bis zu 70 Kinder der offenen Jugendarbeit des Jugendwerks zur Jugendfarm in Bad Cannstatt und lernen den richtigen Umgang mit Umwelt und Tieren. „Ich bin selbst mit einem ökologischem Bewusstsein aufgewachsen“, erzählt die 20-Jährige aus Stuttgart „und das ist mir wichtig an andere weiterzugeben“.

„Eigentlich wollte ich nach dem Abitur gleich anfangen zu studieren. Ich hatte sogar schon einen Studienplatz“, erklärt Feli „dass ich einen ökologischen Freiwilligendienst mache, war total spontan. Durch einen Flyer erfuhr ich erst, dass es das FÖJ überhaupt gibt. Die Beschreibung des freiwilligen Jahrs sprach mich dann sofort an.“ Sie hat sich kurzfristig beworben und prompt eine Zusage für ein FÖJ auf der Jugendfarm erhalten.

Morgens beginnt der Arbeitstag auf dem Stadtteil Bauernhof für die junge Frau um 10 Uhr: Tiere füttern und misten. Nachmittags kommen die Kinder. Die sechs- bis 14-Jährigen können entweder alleine auf dem Hof spielen oder sie nehmen an den täglich wechselnden Angeboten teil. Aktionen gibt es rund um Natur und Lebewesen: Hütten bauen, Pferde pflegen, Teich inspizieren oder eine Vogelscheuche basteln.

Ihr FÖJ auf der Jugendfarm ist nun fast zu Ende. Rückblickend resümiert die 20-Jährige: „Das Jahr hat mir wirklich viel gebracht. Nicht nur an praktischem Wissen, sondern auch für meine persönliche Entwicklung.“ Das erste Mal habe sie nicht nur Verantwortung für sich selbst übernehmen müssen. Als Betreuerin hat Feli auch die Verantwortung für die ihr anvertrauten Kinder. „Ich bin hier viel mehr aus mir herausgekommen und bin auch ein wenig erwachsener geworden“, sagt die FÖJlerin zwinkernd. „Die Arbeit hier hat mir einen Einblick in das Berufsleben gegeben“, meint die Stuttgarterin „vorher hatte ich ja keine Ahnung wie so eine Einrichtung strukturiert ist. Und das Tolle ist, dass ich hier auch die Möglichkeit habe das Tagesprogramm für die Kinder selbst zu erstellen“.

Jetzt fängt sie im Herbst an zu studieren, das FÖJ bestärkte sie in ihrem Wunsch den Studiengang Nachwachsende Rohstoffe und Bioenergie oder Tiermedizin zu studieren.

 

Richtig Mitanpacken beim FÖJ in der Landwirtschaft

Robin Scheffel

 
6.30 Uhr: Der Wecker von Robin Scheffel klingelt. Um sieben Uhr beginnt der Arbeitstag auf dem Philadelphia Hof in Leonberg. Die Kühe müssen gemolken und gefüttert werden. „Es gibt immer was zu tun“, sagt der 17-Jährige aus Reichenbach/ Calw „da vergeht der Tag schnell“. Kühe versorgen und melken, Arbeiten auf dem Feld erledigen, Heu machen und die verschiedensten handwerklichen Tätigkeiten – all das gehört zu den Aufgaben des jungen Mannes auf dem landwirtschaftlichen Betrieb.

Seit September absolviert Robin ein Freiwilliges ökologisches Jahr (FÖJ) auf dem Philadelphia Hof in Leonberg. Nach der Realschule hatte er keinen Ausbildungsplatz. Ein Verwandter schlug dem Schüler vor doch ein FÖJ zu machen. Die Idee gefiel dem naturverbundenen Schulabgänger sofort gut, doch in einen Waldkindergarten oder ähnliches wollte er nicht. Ihm war gleich klar, dass er lieber etwas mit Tieren draußen arbeiten möchte. Also entschied Robin sich für ein FÖJ in der Landwirtschaft. Auf dem Biobauernhof in Leonberg hat der FÖJler nun seinen Platz gefunden. Er fühlte sich dort von Anfang an wohl. Die Betreiber des Hofes kannte er schon vorher und auch die Arbeit macht ihm Spaß. “Hier stimmt einfach alles – ich mag die Leute und die Arbeit.“ Robin hat ein eigenes Zimmer auf dem Biohof und genießt so ein Stück Eigenständigkeit. Die Mahlzeiten nehmen alle auf dem Hof gemeinsam ein - wie das auch schon früher auf einem Bauernhof war.

Ein Spezialgebiet von Robin ist das Melken der 17 Milchkühe. Wenn der FÖJler in den Stall kommt, wissen die Kühe schon was los ist. Mittlerweile kennt er alle 40 Kühe und Kälber auf dem Biohof mit Namen. „Sie auseinander zu halten ist ja nicht schwer, sie sehen doch alle anders aus“, meint der tierliebe junge Mann grinsend. Zweimal am Tag müssen die Kühe gemolken werden. Heutzutage geht das zwar alles vollautomatisch, aber ganz um das Melken mit der Hand kommt Robin nicht. Die erste Milch jeder Kuh muss er von Hand abmelken bevor das Tier an die Melkmaschine angeschlossen werden kann. „Melken liegt mir einfach im Blut“, erklärt der 17-Jährige „schon mein Opa und Uropa hatten Kühe und Landwirtschaft“.

Auch wenn ein Tag auf dem Hof lang und anstrengend ist, bereut FÖJler Robin es nicht, sich dafür entschieden zu haben. Er hat jetzt eine klare Perspektive für seine Zukunft. „Nach dem FÖJ möchte ich die Fachhochschulreife nachholen, um dann technischer Assistent für Agrar- und Umweltanalytik zu werden.“ Auf dem Philadelphia Hof werde er aber schon mal wieder arbeiten, denn wenn Heu gemacht werden muss, braucht man jede helfende Hand.
 
 

Freiwilliges Ökologisches Jahr im Waldkindergarten

Lisa macht ein Freiwilliges Ökologisches Jahr im Waldkindergarten. Folgender Audiobeitrag erzählt über ihre Erfahrungen und Erlebnisse:
 
 

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