Wenn sogar der Küchendienst Spaß macht
Der Mittagstisch ist gedeckt, Teller und Gläser sind gefüllt. Heute gibt es Hähnchen-Geschnetzeltes mit Reis und Salat. Am Tisch sitzen vier junge Männer, denen es offensichtlich schmeckt. Der Erste hat seinen Teller schon leer geputzt. Er ist so sauber ausgekratzt, dass er eigentlich direkt wieder in den Schrank gestellt werden könnte. Nachdem auch die beiden nächsten ihre Mahlzeit beendet haben, steht die FSJlerin Melissa auf, geht mit den dreien in die Küche und räumt die Teller in den Geschirrspüler. Aus der Küche ruft sie mir zu: „Unser Spezialist hier braucht immer etwas länger beim Essen.“ Die Zwischenzeit nutzt Melissa, um nach ihrem anderen „Spezi“, Sandro, zu schauen. Der verhaltensauffällige Junge verbringt die meiste Zeit des Tages in seinem Zimmer. Und dort isst er auch. „Wir können nicht verantworten, dass er zusammen mit den Anderen isst. Er rastet zu schnell aus und keiner würde etwas davon haben.“
Der Tagesablauf in den Betreuungsgruppen im Sonnenhof in Schwäbisch Hall ist fest strukturiert. So auch in den Tagesbetreuungsgruppen in den Häusern Ahorn und Ulme. Dort unterstützen Melissa und Angie die Pflegekräfte, zusammen mit anderen Freiwilligen und Praktikanten, tatkräftig bei der täglichen Arbeit. In Melissas Gruppe Ahorn werden Kinder und Jugendliche mit Behinderungen im Alter von 12 bis 17 betreut. Die Gruppe von Angelina, Ulme, ist für die Kleineren zuständig. Die Kinder dort sind zwischen fünf und elf. Morgens um 7 Uhr wecken die Freiwilligen Melissa Schmidt und Angelina Sebek ihre Jungs und Mädels. Danach bereiten sie ihnen das Frühstück vor. Nachdem Frühstück richten sich alle für die Schule. „Das kann bei dem ein oder anderen schon mal etwas länger dauern“, erzählt Melissa. Duschen, Zähne putzen, anziehen und die Tasche packen. Das sind die Aufgaben, die morgens vor der Schule erledigt werden müssen. „Es kommt dabei auch immer auf die Tagesform an. An guten Tagen muss ich kaum helfen, da geht alles von allein. Das sind Momente, in denen mein FSJ so richtig Spaß macht, wenn Fortschritte zu erkennen sind“, so die 21-Jährige. Während die Schüler dann die Schulbank drücken und sobald die Reste des Frühstücks beseitigt sind, ist der Dienst der beiden Mädchen zunächst beendet.
Um 12 Uhr, wenn das Mittagessen aus der Großküche dann geliefert wird, geht es für die beiden weiter. Sie müssen das Essen aufwärmen. Gegen 12:30 Uhr kehren auch die Schüler wieder zurück. Nachdem die hungrigen Münder gefüllt wurden, spülen alle gemeinsam ab - mit einer Ausnahme: Sandro. Nach dem Essen haben alle eine Stunde Frei- und Erholungszeit auf ihrem Zimmer, bevor es mit dem Nachmittagsprogramm weiter geht. Montags und Donnerstag heißt das wieder: Schule. An den restlichen Tagen haben die Bewohner Therapien, zum Beispiel Musiktherapie, Neigungsgruppen oder das „Treffen“ für die Fittesten. Im Anschluss gehen die jungen Frauen mit ihren Schützlingen Spazieren oder Schaukeln. „Bei schlechtem Wetter verbringen wir die Zeit aber eher drinnen mit Basteln oder Spielen. Um 17.30 Uhr folgt das gemeinsame Abendessen“, berichtet Angie. Danach haben die Kinder noch ein wenig Zeit für sich. Die nutzen sie auf unterschiedlichste Weise. „Sie tun das, auf was sie gerade Lust haben. Ins Zimmer gehen zum Musik hören, Fernschauen im Gemeinschaftsraum, ein Buch lesen oder ein Bild malen. Ihnen stehen alle Möglichkeiten offen“, erklärt Melissa, die für ihr FSJ von Gerabronn nach Schwäbisch Hall in den Sonnenhof zog.
„Die besten Tage haben wir immer entweder am Wochenende oder in den Ferien. Da können wir uns richtig Zeit für den Einzelnen nehmen. Das ist super schön. Erst neulich bin ich zusammen mit einem kleineren Jungen nach Schwäbisch Hall runter gefahren, um ein Eis zu essen. Er hat sich riesig gefreut“, schwärmt Angie von den Tagen, an denen eine sogenannte eins zu eins Betreuung möglich ist. Die 20-jährige Angelina konnte sich früher nie vorstellen mit Behinderten zu arbeiten: „Aber ich wollte mir selber beweisen, dass ich es kann und habe das FSJ gemacht, um das ein für alle mal klar zu stellen.“ Nach ihrem Freiwilligen Sozialen Jahr soll sein Studium im Bereich der sozialen Arbeit folgen.
Bei Melissa war das ganz anders. Früh lernte sie den Umgang mit Behinderten kennen und lieben. Einer ihrer Freunde hat ein Zwillings-Geschwisterpaar mit einer Behinderung. Mit ihnen verbringt Melissa viel Zeit, geht mit ihnen ins Schwimmbad oder in den Tierpark. Später engagierte sie sich sogar bei der offenen Hilfe ehrenamtlich für die beiden. Sie weiß seit längerem, dass sie eine Ausbildung zur Heilerziehungspflegerin machen will. Für diese Ausbildung ist ein FSJ ein absolutes Muss.
In einem Punkt sind sich beide dann aber total einig: Das FSJ im Sonnenhof sei das Beste, was ihnen passieren konnte. „Die Kollegen sind einfach der Hammer. In diesem Beruf ist ein guten Team sehr wichtig, wir müssen uns auf einander verlassen können und das tun wir zu 100 Prozent“, schwärmt Angie von der Teamarbeit. Dem pflichtet Melissa bei: „Irgendwie machen mir hier sogar Dinge Spaß, die ich zu Hause eher ungern mache, Küchenarbeit zum Beispiel. Bis jetzt gab es noch keinen Tag, an dem ich morgens gedacht habe: Oh Mann, heute will ich nicht arbeiten.“ Kevin Schuon
Der Beruf Erzieherin bietet ihr alles. Im ganz normalen Alltag ist Yasmin Friesch Psychologin, Pflegerin, Erzieherin und auch Freundin. Wie jeder weiß, sind kleine Kinder dafür zuständig jeden Tag an einer neuen Herausforderung zu basteln. Und genau diese Vielseitigkeit genießt sie nun jeden Tag. "Früher viel mir der Umgang mit Kindern schwer und ich war mir nicht sicher ob mir das FSJ im Kinderhaus liegt. Wenn ich aber eines dieser lachenden Gesichter sehe, weiß ich, dass ich hier richtig bin." weiterlesen:
Julia Kurfeß hat aus ihrer Notlösung, FSJ bei den Powerkids in Stuttgart, eine echte Lebensaufgabe geworden. In ihrem Beruf genießt sie viele Freiheiten und es wird auch sehr großen Wert darauf gelegt, dass ihre Meinung nicht untergeht und sie in Entscheidungsfragen mitbestimmen darf. Früher wollte sie immer Polizistin werden, seit sie aber so viel Gefallen an ihrer Arbeit gefunden hat, will sie nach dem FSJ lieber soziale Arbeit studieren. "Mit guter Erziehung erreicht man weit mehr als bloß mit Restriktionen." weiterlesen:








