Julia hat ihren Platz gefunden – Ein FSJ in der Jugendhilfe
Es ist still auf dem Gelände der Stiftung Jugendhilfe aktiv in Stuttgart, fast friedlich. Doch dann klingelt die Schulglocke. Plötzlich herrscht wildes Treiben auf dem Innenhof: Die Kinder strömen aus dem Schulgebäude und verteilen sich auf die Tagesgruppen. Freundlich begrüßt die FSJlerin Julia Kurfeß die Kinder aus der Tagesgruppe Powerkids. Ganz vertraut, als würde die 20-Jährige das schon immer tun. Doch eigentlich wollte die lebensfrohe junge Frau kein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) machen. „Das FSJ war anfangs nur eine Notlösung, weil mein Auslandsaufenthalt nach dem Abitur nicht geklappt hat“, gibt die FSJlerin zu, aber jetzt gefällt es ihr super.
Seit September absolviert sie ihr FSJ bei den Powerkids. Die Kinder der Tagesgruppe sind in der zweiten bis siebten Klasse und besuchen die Schule für Erziehungshilfe der Jugendhilfe aktiv. Jeder Tag ist da anders: „Ich weiß nie, was auf mich zukommt, auch wenn es einen festen Tagesablauf gibt“ meint die FSJlerin „denn die Kids sind ja immer anders drauf“. Nach der Schule wird gemeinsam gegessen, dann ist „Hausi-Zeit“. Danach gehen die Kinder zum Austoben in Arbeitsgemeinschaften (AG), die von Julia und den anderen Mitarbeitenden geleitet werden. In der Tier-, Wald- oder Trampolin-AG lernen sie an einer Sache dran zu bleiben. „In der genauen Gestaltung der AGs sind wir meist sehr flexibel“, erzählt die 20-Jährige. „Das ist auch das Tolle an der Arbeit bei den Powerkids. Ich habe sehr viele Freiheiten und eine Menge Abwechslung. Beispielsweise werde ich in Entscheidungsprozesse miteinbezogen, kann zur Schule und zu Terminen mit dem Jugendamt mitgehen“.
„Man lernt die Kinder recht schnell kennen“, stellt Julia fest als sie mit einem gutmütigen Blick durch die Runde streift „Jedes Kind hat so seine kleinen Macken. Aber ich mag alle so wie sie sind.“ Ohne Streit vergeht kaum ein Tag, daher ist es wichtig, dass Freiwillige erwachsen wirken und permanent Autorität ausstrahlen, sonst werden sie nicht ernst genommen. Selbstbeherrschung, Konfliktlösungen und konsequent sein – das lernt die junge Frau hier. Auch wenn das nicht immer leicht fällt.
Nicht nur Julia gefällt ihr FSJ, sondern auch die FSJlerin kommt bei den Kindern gut an. Ein Mädchen kichert: „Die Julia ist so lustig wie eine Nudel“ und schaut ihre junge Autoritätsperson verschmitzt an. „Wir FSJler sind schon auch mal mehr Kumpel als Erzieher“, sagt sie lächelnd bevor sie von einem Pulk Kinder umarmt wird.
Mittlerweile ist Julia von ihrem einstigen Berufswunsch Polizistin abgekommen. Ihr Plan ist jetzt: nach dem FSJ Soziale Arbeit studieren. „Eigentlich wollte ich immer zur Polizei gehen. Aber ich habe gemerkt, dass mit Erziehung einfach mehr zu erreichen ist als mit bloßen Restriktionen.“
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