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Weg vom Perfektionismus

Polaroid Julia Frey

Freitagnachmittag vor dem Elefantenhaus der Stuttgarter Wilhelma: Ganz aufgeregt ruft die kleine Lea ihrer Freundin Tina zu: „Komm schnell!“. Die antwortet wie aus der Pistole geschossen: „Ich beeil mich doch schon!“ und rennt los. Die beiden Mädchen der  Nachmittagsbetreuung der Gustav-Werner-Schule verschwinden hinter der Tür. Als Betreuerin Julia mit dem kleinen Godgift im Schlepptau  erscheint, stehen Tina und Lea längst in der ersten Reihe vor den Dickhäutern und machen lange Gesichter. Im Innengehege der grauen Riesen ist es ziemlich eng. Kaum zwei Schritte können die beiden Elefantendamen Zella oder Pama machen, dann sind sie  auch schon an der nächsten Betonwand angelangt und müssen umkehren. Und mehr bleibt ihnen, solange die Außenanlage umgebaut wird, leider nicht übrig. „Die sind total langweilig und hier stinkt’s“, stellt Lea, die jüngste der drei Kinder, entsetzt fest. Jetzt ist FSJlerin Julia gefragt, denn die Stimmung droht zu kippen. Die rettende Idee: „Wir gehen wieder zurück und schauen uns noch mal die Schimpansenbabys an.“ Die beiden Freundinnen sind von dem Plan total begeistert. Der einzige Junge, Godgift, allerdings hat einen anderen Plan. Er rennt schnurstracks in die andere Richtung davon. Doch Julia reagiert schnell.. Sie rennt hinterher, um ihn wieder einzufangen. Als die beiden lachend zurück kommen, sagt sie: „Mit ihm wird es mir nie langweilig. Ich muss ihn immer Blick haben. Denn wegen seiner Behinderung kann er sich bei solchen Aktionen schnell selbst verletzen.“

 

Die Nachmittagsbetreuung der Gustav-Werner-Schule wird vom Behindertenzentrum (bhz) Stuttgart organisiert. Dort macht Julia Frey ihr FSJ focus. Im bhz selbst ist sie allerdings recht selten. Genauer gesagt nur an Montagen, denn da nimmt Julia an den Teambesprechungen teil. Anleiterin Saskia Heckwolf und die anderen Kollegen verteilen die Aufgaben für die kommende Woche. Ansonsten betreut die FSJlerin im Auftrag des bhz diverse Gruppen in ganz Stuttgart. So wie auch heute hilft sie jeden Mittwoch und Freitag bei der Nachmittagsbetreuung der Gustav-Werner-Schule, einer Schule für Kinder und Jugendliche mit geistiger Behinderung. „Meistens unternehme ich etwas mit den Kindern. Wir gehen zusammen in die Wilhelma oder auf einen Spielplatz“, erzählt Julia. Dort können sich die Schüler nach einem langen Morgen voller Zahlen, Formeln und Bücher so richtig austoben. Am Dienstag und Donnerstag begleitet sie zwei Sportgruppen an der Helene-Schöttle-Schule, die auch zum bhz gehört. Von dieser Aufgabe ist die 23-Jährige besonders begeistert: „Dienstags bin ich immer total fertig, wenn der Sport vorbei ist. Dort geht es richtig zur Sache und ich muss alles geben, um mit den Jungen und Mädchen mithalten zu können. Aber dadurch macht es umso mehr Spaß.“ Sie spielen gemeinsam Fußball, Basketball oder Hockey. „In der Donnerstags-Gruppe machen wir allerdings eher einfacheren Sport. Der soll die Konzentration des einzelnen fördern und der Entspannung dienen.“ Dazu gehört unter anderem Federball mit Luftballons spielen oder Schwimmen zu gehen. Zu ihren Pflichten gehört aber auch Fahrdienste zu übernehmen und die Betreuten vor der Betreuung abzuholen und danach wieder nach Hause zu fahren.

 

Vor ein paar Jahren verließ die Tuttlingerin die Bodenseeregion in Richtung Landeshauptstadt. Damals hatte sie noch ganz andere Pläne im Kopf. Ihr großer Wunsch war es Modedesignerin zu werden. Nachdem sie die Ausbildung erfolgreich abgeschlossen hatte, kam zunächst eine Talfahrt. „Ich habe ein Jahr lang nach einer Stelle als Modedesignerin gesucht und mich mit Nebenjobs durchgeschlagen“, erzählt Julia. Eine ihrer Freundinnen machte derweil  eine Ausbildung zur Heilerziehungspflegerin. Als die Berufssuchende sich bei ihr erkundigt, ist das der erste Schritt auf ihrem neuen Weg. Er beginnt mit einem Praktikum in der Gustav-Werner-Schule. „Ich musste mich schon ein wenig umgewöhnen. In meinem alten Beruf herrschte Perfektionismus. Jeder Strich musste millimetergenau sitzen. Das kann ich von einem Kind mit einer Behinderung natürlich nicht verlangen“, weiß die Freiwillige. Ihre damalige Kollegin und heutige Anleiterin Saskia Heckwolf empfahl ihr vor der Ausbildung ein FSJ zu machen und das bei der  Diakonie und im bhz. Da sie dadurch weiterhin die Nachtmittagsbetreuung an ihrer alt bekannten Wirkungsstätte, der Gustav-Werner-Schule übernehmen konnte, war das optimal. Auf ihrem neuen Weg hat die junge Frau auch schon einiges gelernt: „Ich möchte ihnen die Aufmerksamkeit schenken, die sie verdienen. Die meisten Menschen wissen gar nicht, dass sie keine Sonderbehandlung möchten. Sie wollen behandelt werden wie andere. Und das verdienen sie auch."                                                     Kevin Schuon
  
  
 

Der 20-jährige Maximilian Tremer macht sein FSJ focus im Friedenshort in Öhringen. Dort betreut er Jungs und Mädels im Alter von 11 bis 16 Jahren, nachdem sie aus der Schule kommen. Das wichtigste für ihn ist es den Kindern das zu geben, was sie zu Hause nicht haben: ein sicheres soziales Umfeld. "Ich finde es ihnen gegenüber einfach nur fair. Und da ich eine gute Erziehung genossen habe, versuche ich das weiter zu geben."                        weiterlesen:

 
 

Wenn Julia Reckwardt von ihrem FSJ erzählt, sprudeln die Worte nur so aus ihrem Mund. Nachdem sie ihre Ausbildung zur Zahnarzthelferin abgeschlossen hatte, konnte sie sich nicht vorstellen wie es jetzt weiter gehen soll. Da kam ihr das FSJ focus Programm zur beruflichen Umorientierung gerade recht. Bei der Diakoniestation Blaufelden übernimmt ist sie im mobilen Dienst tätig und hat für ihre Aufgaben sogar ein eigenes Auto bekommen.
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Das Diakonische Werk Württemberg ist als erster Träger des Freiwilligen Sozialen Dienstes (FSJ) in Deutschland von der Agentur QUIFD („Qualität in Freiwilligendiensten“) zertifiziert worden.
Als erster Landesverband der Diakonie in Deutschland hat das Diakonische Werk Baden im Jahr 2003  die Zertifizierung nach DIN EN ISO 9001 erhalten

 
 

 
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